Mai 2015


09.05.2015

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Vor bald einem Jahr begann ich hier meine Kommentare zu veröffentlichen. Ich hatte damals aufgrund meines Rückenleidens viel Zeit, da ich...


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01.05.2015

Bild Falsche Propheten

Wem soll man heute noch glauben? Zur Auswahl stehen politische Kriegstreiber, Böse-Welt-Propheten , Apokalyptiker, Kuttenträger, Halsabschneider...


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09. Mai 2015 erschienen als: satirischer Kommentar

Pläne

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Das Projekt
By Zigorio

Vor bald einem Jahr begann ich hier meine Kommentare zu veröffentlichen. Ich hatte damals aufgrund meines Rückenleidens viel Zeit, da ich nicht in irgendeinen „Stollen“ arbeiten gehen konnte. So wuchs meine Webseite täglich um etliche Zeilen an und die Leserschaft ebenfalls. Geplant war meine Schreiberei fort zu führen und so mit den getippten Buchstaben auf die Unstimmigkeiten auf dieser Welt hinzuweisen. Gleichzeitig ermöglichte mir das Schreiben, den Frust über das Weltgeschehen besser verarbeiten zu können. Schreiben als Psychohygiene. Ich dachte, es würde so weitergehen und investierte daher viel Zeit in den Ausbau meiner Webseite. Dann kam die Halle.

Ich habe nun schon ein paar Texte über dieses Projekt verfasst und es wird immer realer. Nun ist der Zeitpunkt erreicht, wo ich das Konzept dieses Projekte s veröffentlichen kann. Hier sind nun die Fakten, um was es sich bei dieser Halle genau handelt.

Die Kulturhalle ist ein Ort für Kreativität und Gemeinschaft. Willkommen sind alle Personen, egal welcher Herkunft, Kultur, Rasse oder Religion. Grundsätzlich ist es eine grosse Werkhalle, in der Familien, Gruppen, Vereine, Schulen sowie Einzelpersonen eine grössere „Bastelarbeit“ durchführen können, die sie ansonsten Ressourcen- und/oder Platzbedingt nicht machen könnten. Zudem wird ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm angeboten. Dies reicht von Film- und Konzertvorführungen über Lesungen bis hin zu Gruppen- und Spielabenden. Ergänzt durch eine kleine Gastronomie, die während den Öffnungszeiten der Kulturhalle für alle Personen zugängig ist, unabhängig ob sie sonstige Angebote der Kulturhalle nutzen oder nicht. Interessierte können sich auf der Webseite www.kulturhalle.ch über das jeweilige Monatsprogramm und sonstige Aktivitäten informieren.

Basteln und Werken
Die Kulturhalle bietet Platz, Material und Werkzeug für Leute, die gerne etwas Handwerkliches machen wollen. Sei es alleine, mit der Familie, Gruppen, Schulen, Gilden, Vereine oder sonstigen Institutionen. Diverse Tischgrössen stehen zur Verfügung, je nach Bedarf. Diese werden per m2/Std. verrechnet. Zur Tischmiete erhält man eine Werkzeugkiste mit den gängigsten Holzbearbeitungswerkzeugen. Es können zusätzlich verschiedene Handmaschinen angemietet werden. Für die grosse Holzbearbeitung stehen professionelle Schreinermaschinen bereit. Diese werden ausschliesslich von Mitarbeitern der Kulturhalle bedient. Der ausgerüstete Bastler kann seine eigenen Werkzeuge und/oder Handmaschinen mitbringen. Für Zwischenlagerungen steht ein Schwerlast-Regal zur Verfügung, dass pro Quadratmeter und Tag verrechnet wird.

Holz-Ausgabe
Zur Auswahl stehen Massiv-Hölzer, sowie alle gängigen Holzplatten-Produkte. Holzmaterialien welche nicht am Lager sind, können innert 24 Stunden besorgt werden. Die maximale von uns bearbeitbare und lieferbare Grösse von Holzplatten beträgt sechs Meter. Massivholz und keilverleimte Massivholzelemente haben eine maximale Länge von fünf Metern. Spezialmasse können auf Wunsch bestellt werden. Die Lieferzeit ist je nach Exklusivität der Holzart und Grösse unterschiedlich.

Zuschnitt-Service
Diese Dienstleistung in der Holzbearbeitung ist einerseits für Hobby-Schreiner und Bastler gedacht, welche in der Kulturhalle oder zu Hause ihr Werk verwirklichen wollen, sowie andrerseits für gewerbliche Betriebe, die einen schnellen und professionellen Zuschnitt-Service für grössere Holzmengen benötigen.

Baumaterialien
Es können diverse Baumaterialien wie Farben, Spachtelmassen, Verputze usw. in Kleinmengen bezogen werden. Entweder um das in der Kulturhalle erstellte Objekt farblich zu gestalten oder für zu Hause, wenn eine kleine Renovation ansteht. Dazu bieten wir die Möglichkeit, eine Malerausrüstung zum Streichen und die nötigen Abdeckutensilien sowie Spachtelwerkzeuge zu mieten. Die Qualität der Baumaterialien und Werkzeugen entsprechen den heutigen professionellen Ansprüchen und sind daher in Baumärkten nur selten zu finden. Nach Gebrauch können die nassen Malerwerkzeuge im gebrauchten Zustand zurückgebracht werden. Die Reinigung erfolgt durch die Mitarbeiter der Kulturhalle in einer speziellen Reinigungs-Anlage.

Gastronomie
Die „Hallenkantine“ ist während allen Aktivitäten in der Kulturhalle geöffnet. Während den Werkzeiten wird kein Alkohol verkauft. Ausnahmen bilden spezielle kulturelle und gesellschaftliche Anlässe wie ein kulinarischer Schlemmer-Abend oder Vorführungen. Ansonsten gibt es Snacks und Getränke. Die warme Küche bleibt während den Werkzeiten geschlossen.

Vorführungen
An einzelnen Abenden werden Filme und Konzerte auf Leinwand vorgeführt. Dazu wird ein Teil der Kulturhalle in ein „Bistro-Theater“ verwandelt. Untermalt mit erstklassiger Soundqualität und gemütlicher Atmosphäre werden Filmklassiker, Konzerte, Musicals und vieles mehr vorgeführt. Literarische Events und Vorträge stehen ebenso auf dem Programm. Die einzelnen Programminhalte werden monatlich im Web und als Flyer publiziert. Während den Vorführungen ist der Werkbereich geschlossen.

Spielabende
Diverse Brettspiele stehen bereit und man kann selber Spiele mitbringen. Diese Abende werden im „Bistro-Theater“ durchgeführt und sollen für die Gäste ein „Miteinander-Erlebnis“ ermöglichen. Spielen in entspannter Atmosphäre und sich kennen lernen. An einem solchen Abend ist der Werkbereich geschlossen.

Schlemmerabend
An bestimmten Abenden wird die Küche in der Kulturhalle geöffnet und ein ausgesuchtes Menu zubereitet. Es gibt ein einziges Gericht, aber dafür reichlich. Gegessen wird an einem grossen Tisch, an dem die Gäste gemeinsam Platz nehmen. Es hat auch kleinere Tische. Der Gast kann nachschöpfen, solange er möchte. An solch einem Abend ist der Werkbereich geschlossen. Vereine, Gruppen und Einzelpersonen können selber einen Schlemmerabend für die Gäste gestalten. Mit dem Zweck: Gäste kochen für Gäste. Die Mitarbeiter der Kulturhalle stehen hilfreich zur Seite und unterstützen die Kochwilligen bei ihren Zubereitungen.

Märkte
In der Kulturhalle werden monatlich Märkte durchgeführt. Zielgruppe sind Leute die etwas Selbergemachtes oder Spezielles verkaufen wollen. Der Standplatz wird gestellt inklusive Tisch. Dafür wird eine Standmiete berechnet. Geplant sind Koffermärkte, Märkte für Selbergemachtes von Privatpersonen, Modellbau- Foto- Spielbörsen und ähnliches.

„Flick-Tag“
An diesem Tag können pensionierte oder sonstige Fachleute, die mit ihrem Wissen alte aber liebgewonnene Elektroartikel oder sonstigen Sachen reparieren können, dies in der Werkhalle praktizieren. Tische, Werkzeug wird bereitgestellt, wobei eigenes Handwerkzeug ebenso willkommen ist. Der Flick-Tag ist für alle Besucher gratis und sie geben dem Reparierer einen freiwilligen Betrag. Die Kulturhalle verzichtet auf Standgebühren und stellt den Platz und die Infrastruktur zur Verfügung.

Warenverkauf
Alle Artikel, welche die Mitarbeiter der Kulturhalle an Wochenmärkten in diversen Ortschaften anbieten, können während den Öffnungszeiten bezogen werden. Sie sind in einem eigens dafür gemachten Bereich ausgestellt. Die meisten Artikel wurden/werden in der Kulturhalle hergestellt. Privatpersonen, die ihre selbergemachten Artikel verkaufen möchten, können gegen Provision ihre Produkte in der Kulturhalle anbieten.

Transport
Fertiggestellte Werke, die nicht in den Kofferraum passen, werden auf Wunsch geliefert. Ebenso Materialbestellungen aus dem Zuschnitt-Service oder Baumaterial. Transporte werden zu den üblichen Tarifen verrechnet.

Beratung
Während den Öffnungszeiten der Werkhalle ist ein mindestens ein Profi des Bauhandwerkes anwesend. Man kann sich Tipps holen, etwas erklären und/oder zeigen lassen. Jahrelange Erfahrung im Ausbilden von Lehrlingen sowie agogische Berufsbegleitungen an geschützten Arbeitsplätzen, ermöglichen den Mitarbeitern der Kulturhalle eine gute Einschätzung der handwerklichen Fähigkeiten oder eines Vorhabens und können entsprechend unterstützend wirken.

Umwelt
Es ist uns wichtig, den Abfall durch den täglichen Betrieb möglichst niedrig zu halten. Dazu stehen getrennte Abfallbehälter zur Verfügung. Wir achten bereits beim Einkauf auf die Wiederverwendbarkeit sowie bei der Entsorgung. Kleine Zuschnitt-Resten sowie Schraubmaterial werden gesammelt und dürfen gratis von Bastlern verwendet werden. Diese werden in speziell gekennzeichneten Behältern aufbewahrt. Wenn zum Beispiel jemand drei gleiche Schrauben sucht und dort fündig wird, kann er sie gratis haben. Dieses Recyclingkonzept ermöglicht den Holz- und Metallabfall um über die Hälfte zu reduzieren. Die erhältlichen Farben sind alle wasserlöslich und brauchen keine speziellen Lösungsmittel. Die Reinigung der Malergeräte erfolgt in einem geschlossenen Wasserkreislauf und wird daher nicht der Kanalisation zugeführt. Sondermüll wie Farbschlacke, Resten und sonstige Bauchemikalien werden fachgerecht entsorgt.

Sicherheit
Die Sicherheit wird in der Kulturhalle sehr hoch gehalten. Die Mitarbeiter weisen jeden Besucher ein und erklären die erforderlichen Sicherheitsmassnahmen wie Schutzbrille, Gehörschutz und Standort der Notfallapotheke. Sie steht gut bestückt bereit und ist jedem Besucher zugängig. Dasselbe gilt für die Feuerlöscher und andere Brandschutzmassnahmen. Verhaltensregeln am Werkplatz, Maschinen und Werkzeug werden erklärt und müssen strikt eingehalten werden. Geschlossene Werkbereiche sind optisch abgetrennt und dürfen nur vom Personal betreten werden. Ein Mitarbeiter kann bei Sicherheitsbedenken einem Besucher den Werkbereich verwehren. Zum Beispiel bei Alkohol/Drogenkonsum, unverantwortliches Benutzen von Werkzeugen, Gefährdung von sich selber und/oder anderen, bei grobfahrlässigem Verhalten und Nichteinhalten von Schutzmassnahmen und Weisungen.

Wie Sie sehen, ist das Projekt „Kulturhalle“ etwas Grösseres und bedarf viel Vorbereitung und Planung. Hier gehen momentan die meisten zeitlichen Ressourcen drauf. Aus diesem Grund habe ich auch die Schreiberei nach hinten verschoben, da der Eröffnungstermin immer näher rückt. Ich werde hier weiter in unregelmässigen Abständen über das Projekt berichten und bald mit den ersten Fotos verzieren. Aus diesem Grund werden in Zukunft meine Kommentare einmal wöchentlich erscheinen oder wenn es die weltliche Entwicklung verlangt auch öfters. Aber mein Hauptaugenmerk ist bei dieser Werkhalle und meine zeitlichen Ressourcen fliessen vollumfänglich dorthin.

Ich wünsche allen Lesern eine gute Zeit und dass auch Sie ihre Pläne verwirklichen können.

Zigorio


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01. Mai 2015 erschienen als: satirischer Kommentar

Falsche Propheten

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Wahrheit als Kundenfänger
By citation by Andreas Popp, graphic by User:Mattes (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Wem soll man heute noch glauben? Zur Auswahl stehen politische Kriegstreiber, Böse-Welt-Propheten , Apokalyptiker, Kuttenträger, Halsabschneider und sonstiges Propaganda-Gesindel. Da ist für jeden was dabei. Kommt nur darauf an, mit welchem aktuellen Filter man die Äusserungen wahrnimmt und versteht. Der ist in der Regel von der momentanen psychischen Verfassung, wer mag von äusseren Umständen oder der Lebenssituation in der man gerade steckt, abhängig. Wenn’s einem gut geht, ein voller Bauch die Körperrundungen ziert und man genug Langeweile besitzt, ist es sehr bequem bis unterhaltsam über Unbequemes zu lästern. Beim Grossteil der Weltbevölkerung läuft es genau umgekehrt. Wer um sein tägliches Überleben kämpfen muss, hat andere Probleme als die, welche von den Katastrophen-Predigern gerne rhetorisch seziert werden.

Es ist schon erstaunlich, mit welchen Mitteln einem das Geld aus der Tasche gezogen wird. Anstatt mit eigenen offenen Augen durch die Welt zu wandeln und die ganzen Unstimmigkeiten zu erkennen, gibt man lieber Geld aus, damit einem jemand sagen kann, was alles falsch läuft. Sollte der Unglücks-Botschafter dann auch noch sympathisch rüberkommen, kann er eigentlich jeden Schwachsinn von sich geben. Dieser wird sogar in Bücher gedruckt oder gefilmt und kann von jedem unzufriedenen Weltnörgler erworben werden. Damit die Glaubwürdigkeit der Hiobs- Referenten in den Hirnwindungen der Zuhörer fest verankert wird, zählen sie am Anfang ihrer Vorträge alle Reputations-Optimierungen auf, egal ob sie wirklich was wert sind oder einfach nur gut tönen. Da schmückt man sich gerne mit Ingenieur-Titeln, wissenschaftlichen Bezeichnungen, hauptsächlich mit Lobpreisungen der persönlichen Qualifikation, die nicht gesetzlich geschützt sind, aber die zahlende Kundschaft beeindruckt. Ein Paradebeispiel für mich sind die Mitwirkenden der Wissensmanufaktur. Der Name tönt ja schon akademisch veredelt. Federführend dort ist ein Herr Andreas Popp. Seine Vorträge findet man haufenweise im Internet. Da steht ein gut gekleideter Herr am Rednerpult, spricht mit angenehmer Stimme, hat eine sehr gepflegte Wortwahl und verspritzt immer wieder rhetorische Anekdoten, welche beim Publikum das Gehörte mit einer Glaubwürdigkeit versehen soll. Und das schafft er. Einzig bei den Ausführungen seiner beruflichen Vergangenheit bleibt er sehr bedeckt. Anscheinend war er in der Teppichetage eines Konzerns tätig. Es ist aber nicht klar, ob als Staubfusel oder als Staubsauger. Damit man hier nicht weiter ins Grübeln kommt, schmückt er sich mit wissenschaftlichen Kooperationen. Das heisst, er bedient sich gerne der Meinung von Ökonomen, Wirtschaftswissenschaftlern und sonstigen Kapital-Gurus. Dass er sich dem Kapital verschrieben hat und nicht der selbstlosen Aufklärung zeigt sich, dass er oft und gerne mit dem Flugzeug unterwegs ist. Sein Wohndomizil hat er anscheinend nach Kanada verlegt und das liegt nicht gerade um die Ecke. Das gleiche gilt für die referierten Worte. Der verständliche Inhalt für den Durchschnittsbürger hat ungefähr die gleiche Distanz zu dessen Hirn, wie der Wohnort des Herrn Popp zu Deutschland. Es wäre nett, wenn der Herr Popp mal etwas fassbarer in seinen Aussagen werden würde, dann könnte man vielleicht den einen oder anderen Gedankengang auch nachvollziehen.

Aber als Schlechte-Welt-Prophet steht der Herr Popp nicht alleine da. Er macht’s in meinen Augen am Glaubwürdigsten. Zu ihm gesellen sich noch andere Gestalten, die noch weniger Inhalte vermitteln können, aber dafür mit einer Omnipräsenz auf YouTube glänzen, die ihre Selbstverherrlichung in gottesgleiche Sphären hievt. Das kann jeder selber überprüfen. Googeln Sie mal nach dem Begriff “Black Goo“ und lassen Sie sich überraschen, wie lange man reden kann, ohne etwas zu sagen. Da könnten die Politiker sogar noch was lernen. Wer sich durch den nichtssagenden Dschungel der Eitelkeiten geklickt hat, erkennt bald ein Muster. Je hübscher die Krawatte umso leerer der Inhalt. Dabei outen sich die Schlipsträger aber schnell als Dilettanten. Der Krawattenknoten spiegelt in meinen Augen bis zu einem gewissen Masse die Glaubwürdigkeit des Trägers wieder. Wenn ich die Knöpfe der Deutschen-Bank-Chefs anschaue komme ich zur Überzeugung, die können nicht mal die Schuhe selber binden. Und sowas will eine Weltbank leiten? Deshalb hat sich in mir ein Spruch gemausert, der leider immer öfters der Wahrheit entspricht.

Trau keinem mit Krawatte.

Wer sich so einen Galgen anzieht, outet sich meiner Meinung nach schon als Prostituierte. Die Dinger sind unbequem, haben keinen Nutzen, ausser einer optischen Genitalverlängerung (naja, wer’s braucht), sind in den seltensten Fällen korrekt gebunden und stellen etwas dar, was leider selten bis gar nicht beim Träger vorhanden ist, nämlich Verantwortungsbewusstsein und Seriosität. Schauen Sie sich die diversen Krawattenknoten mal genauer an. Wenn viele der Schlipsträger ihre Geschäfte so machen wie sie Krawatten binden, dann kann nichts Gutes dabei rauskommen..

Wenn nun Leute, die sich eigentlich der Wahrheit verschrieben haben, auch so zugeknöpft vor den Kameras oder Rednerpult erscheinen, dann liegt in meinen Augen deren Glaubwürdigkeit so hoch wie das Toten Meer. Sie sehen mit ihrem Galgen auch nicht mehr natürlich aus, sondern wie zurechtgestutzte Schaufensterpuppen, die einzig zum (sich ver)Kaufen animieren sollen. Die Welt ist voll mit Büchern, Datenträgern und Selbstdarstellern, die irgendein System anprangern, aber nur, solange es den eigenen Kontostand positiv beeinflusst. Da stelle ich alle auf eine Schiene. Egal ob es ein Andreas Popp von der Wissensmanufaktur ist oder ein Ivo Sasek, der sich zum ostschweizerischen Böse-Welt-Propheten gemausert hat. Egal ob sie Atomkatastrophen heraufbeschwören, Alien-Invasionen oder die Bankenmafia anprangern, wer nicht zahlt, darf nicht an den Gemeinheiten der Welt teilhaben. Der kann sie nur ertragen, aber nicht konsumieren. Zudem stellt sich mir die Frage, was machen denn die ganzen Untergangspropheten, wenn das Geldsystem zusammenbricht? Ihre gescheffelte Kohle nützt dann ja nichts mehr. Oder wenn eine globale Katastrophe eintritt, was machen die dann? Aber eben, solange es Menschen gibt, denen man ein X vor dem U verkaufen kann, solange wird es selbsternannte Wahrheitspropheten geben, die eigentlich nur ihren Kontostand voraussagen können. Da halte ich mich lieber an meine Hühner. Wenn sie sich verziehen, wird’s stürmisch und regnerisch. Wenn sie lautstark gackern, haben sie ein Ei gelegt. Das sind fassbare Fakten.

Ein anderes Beispiel, wie die Probleme der Welt zur persönlichen Bereicherung herangezogen werden ist der Film zum gleichnamigen Buch „Friedlich in die Katastrophe“ von Holger Strohm. Der Inhalt des Filmes ist brandaktuell und meiner Ansicht nach sehr wichtig um die Gefahren der Atomenergie aufzuzeigen. Der einzige Haken an der Sache ist, dass man zuerst Geld in die Finger nehmen muss, um diese Informationen zu erhalten. Da kann sich jeder selber die Frage stellen: ist es sinnvoll, wichtige, weltliche Inhalte nur einer zahlenden Kundschaft zugängig zu machen? Ich verstehe ja, wenn die Macher auch davon leben wollen, aber ich finde es verwerflich, wenn sie die Tragödien der desaströsen Energiewirtschaft nur zahlenden Interessierten zukommen lassen. Sind die Macher jetzt an einer Veränderung interessiert oder nur am eigenen Kontostand? Ich vermute leider nur an das Zweite.

Noch schlimmer finde ich die Propheten, welche sich hauptsächlich selber gerne auf der Mattscheibe sehen, egal welchen Stumpfsinn sie über den Äther von sich geben. Einer von denen ist Harald Kautz-Vella. Er kennt sich mit sehr vielen Themen aus, aber nicht mit Inhalten. Nun redet dieser Herr stundenlang über ein Thema und am Schluss bin ich so schlau wie am Anfang. Das heisst seitenweise laue Luft aber keine Fakten. Dieser Herr wandert von einem Sendestudio zum nächsten, plaudert immer wieder den gleichen unbelegbaren Kauderwelsch und kommt nicht im Traum darauf, endlich mal was handfestes zu präsentieren, wo der Zuschauer sich auch ein Bild machen kann. Auf die Worthülsen kann man nicht bauen, die sind noch instabiler wie die Wortkonstrukte der Politiker. Da könnten sich die Propheten mal in Stille üben. Wenn’s brenzlig wird, sollen sie die Klappe halten, als das aufgescheuchte Volk noch mehr zu verunsichern . Mir sind die am liebsten, welche mit offenen Augen und Hemd durch das Leben wandern, ihre Erkenntnisse anderen unentgeltlich zur Verfügung stellen und so für ein gleichmässiges Wachstum des gesellschaftlichen IQ’s beitragen.

Die Welt hat schon genug Besserwisser, aber immer noch zu wenig Menschen, die es besser wissen.


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